CEMAL ŞERİK
Natürlich wurden viele Bewertungen zum Spezialkrieg vorgenommen. Was ist sein Hintergrund, und was ist sein sichtbares Gesicht? Auch darauf wurde ausführlich eingegangen. Sein politischer Rahmen wurde bis zu einem gewissen Grad ebenfalls bewertet. Zu diesem Thema liegen viele Bewertungen vor. Dennoch ist es sinnvoll, im Rahmen der Fragestellung einige Dinge zu sagen.
Wenn der Begriff Spezialkrieg am Anfang eines Wortes oder Satzes steht, bedeutet dies, dass der Gegenstand Seiten aufweist, die sich von anderen Gegenständen unterscheiden. Die Betonung des Wortes ‚spezial‘ bringt eine solche Bedeutung zum Ausdruck. Wird diese Bestimmung dem Krieg vorangestellt, weist sie natürlich darauf hin, dass der Krieg sowohl in seiner allgemeinen Bedeutung als auch als Spezialkrieg unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet werden muss. Wenn wir ihn nicht in diesem Rahmen behandeln, können wir sagen, dass der Begriff des Spezialkrieges größtenteils nach dem Zweiten Weltkrieg Eingang in die Literatur fand. Seine Bedeutung gewinnt er jedoch vor allem durch seine ideologischen und politischen Dimensionen. Daraus darf allerdings nicht gefolgert werden, dass die allgemeine Definition des Krieges keine ideologischen und politischen Dimensionen besitzt. Es gibt allgemeine Definitionen des Krieges, und diese werden anerkannt. Es heißt: ‚Der Krieg ist der konzentrierteste Zustand der Politik.‘ Obwohl dies die allgemeinste Definition ist, bestimmt der Krieg bisweilen die Politik und tritt vor sie; deshalb wird die Frage, welches von beiden das andere bestimmt, nicht in einer festen und statischen Position behandelt. Im allgemeinsten Sinne gibt es jedoch eine Definition des Krieges als konzentrierteste Form der Politik. Auch zur Frage ‚Was ist das allgemeine Gesetz oder die allgemeine Regel des Krieges?‘ besteht eine gemeinsame Auffassung, in der sich alle treffen: dem Gegner, den man als solchen betrachtet, den eigenen Willen aufzuzwingen. Dazu gibt es eine weitere Erläuterung: sich selbst zu schützen und den Gegner zu vernichten. Auch dies gehört zu den Punkten, die im Rahmen des allgemeinen Kriegsgesetzes genannt werden. Natürlich gelten sie ebenso für den Spezialkrieg. Doch da wir vom Spezialkrieg sprechen, haben das Aufzwingen des Willens gegenüber dem Gegner beziehungsweise der Schutz des eigenen Selbst und die Vernichtung des Gegners, obwohl sie ihren Platz und ihre Bedeutung in der Definition des allgemeinen Krieges finden, eigenständige und besondere Bedeutungen. Daher müssen wir an dieser Stelle näher darauf eingehen.
Es gibt Gründe dafür, dass die Strategie des Spezialkrieges in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in die Praxis umgesetzt wurde. Eine solche Besonderheit bestand in der revolutionären sozialistischen Bewegung, die dem System der kapitalistischen Moderne gegenüberstand, und ebenso in den Guerillakämpfen, die sich innerhalb eines ideologischen Rahmens im Sozialismus, in demokratischen Kämpfen und in patriotischen Kämpfen ausdrückten. Dies lässt sich hinsichtlich des ideologischen und politischen Rahmens sagen. Der ideologische und politische Rahmen ist hier jedoch etwas anders. Schon zuvor waren Kriegstaktiken oder festgelegte Strategien in jener Kampfform, die als Spezialkrieg bezeichnet wurde, auch innerhalb gewöhnlicher Kriege angewandt worden. Spezielle Taktiken sind nicht ausschließlich dem Spezialkrieg eigen. Auch in einer regulären Armee können eigens ausgebildete und vorbereitete Gruppen Aktionen entwickeln, die sogar über das Schicksal eines Krieges entscheiden. Dies geschieht mit speziellen Taktiken und hängt mit der Ausbildung der Personen zusammen, die für deren Anwendung zuständig sind. Es wird jedoch im Rahmen der im allgemeinen Krieg verfolgten Wege und Methoden bewertet. Das heißt, dies ist nicht das, was unter Spezialkrieg verstanden wird. Bei der Definition des Spezialkrieges wird darunter auch nicht ein Krieg verstanden, der von für diese Themen vorbereiteten Fachleuten mit speziellen Taktiken geführt wird; er wird anders verstanden. Hier kommt die politische und ideologische Dimension ins Spiel. Mit ideologischer und politischer Dimension ist hier Folgendes gemeint: Besonders unter den Bedingungen des Kapitalismus im 20. Jahrhundert, ja bereits seit dem Ende des 19. Jahrhunderts, trat der Kapitalismus in einen bestimmten Prozess ein. Im Industriekapitalismus wurden die Monopole sehr viel aktiver und entscheidender. Die bestimmende Rolle der Monopole bedeutet hier, dass die Kapitalisten ihre Herrschaft und ihr Monopol über alles errichteten, von der Politik bis zum Krieg, von der Wirtschaft bis zur Organisation des gesellschaftlichen Lebens. Dies ist kein Monopol, das nur auf militärische, politische und wirtschaftliche Dimensionen beschränkt ist. Zugleich tritt eine Monopolisierung im Sinne einer Unter-Druck-Setzung der Gesellschaft auf die Tagesordnung. Innerhalb dieser Monopolisierung vertiefen sich die bestehenden gesellschaftlichen Reaktionen und die Gegensätze zu den herrschenden Kräften. Zu dieser Vertiefung kommen die Aufstände der Unterdrückten und Ausgebeuteten hinzu; das heißt, diese Aufstände nehmen dort konkrete Gestalt an. Dies führt schrittweise zur Entwicklung des revolutionären Kampfes. Die Oktoberrevolution von 1917 war in diesem Sinne ein Anfang. Gegenüber dem von der Oktoberrevolution eingeleiteten Prozess fanden natürlich besondere Methoden und Taktiken Eingang in die Mittel der Kräfte der kapitalistischen Moderne zur Verhinderung von Revolutionen. Doch die allgemein gültigen Regeln des Krieges und seine Anwendungsformen blieben maßgebend; dort wurde keine besondere Strategie oder Taktik umgesetzt. Es konkretisierte sich vielmehr in der Anwendung der bisherigen Taktiken gegen die als Gegner bestimmten revolutionären und sozialistischen Kräfte sowie gegen die Werktätigen. In diesem Sinne verbreiteten sich die Nachrichtendienste stark, die Spionageabwehr wurde intensiviert und besondere Überwachungseinheiten wurden geschaffen. Innerhalb der allgemeinen Organisation der militärischen und polizeilichen Strukturen wurden eigens dafür ausgebildete und vorbereitete Gruppen gebildet. Daneben wurden besondere Gesetze und Rechtsvorschriften erlassen. Um den gesellschaftlichen Kampf zu verhindern und die sich zuspitzenden Reaktionen in der Gesellschaft etwas zurückzudrängen, ‚wurden bestimmte gemäßigte politische Maßnahmen in Kraft gesetzt‘, also gleichsam die Politik des Zuckerbrots an die Stelle der Peitsche gesetzt. Dies waren Maßnahmen, die gegen die sich entwickelnden gesellschaftlichen Kämpfe ausgearbeitet wurden, beziehungsweise Vorkehrungen der herrschenden Kräfte. Sie wurden jedoch nicht als Spezialkrieg bewertet, sondern als Bestandteile eines Unterdrückungsvorgangs betrachtet und im Rahmen der allgemeinen Kriegsregeln behandelt. Der nach dem Zweiten Weltkrieg in die Praxis umgesetzte Spezialkrieg hingegen besaß umfassendere strategische Dimensionen und andere taktische Dimensionen. Er bringt die Form zum Ausdruck, die der Krieg gegen Kräfte außerhalb des Systems annahm. Im Krieg kämpfen die Kräfte des Systems gegeneinander, die herrschenden Kräfte geraten untereinander in Konflikt. Auf dieser Grundlage fanden historisch die größten Kriege statt, und auch im 20. Jahrhundert setzte sich dies fort. Der hier gemeinte Spezialkrieg wird gegen gesellschaftliche und nationale Kämpfe geführt, welche die herrschenden Kräfte als Gefahr für sich betrachten. Auf dieser Grundlage definieren sie den Feind, ziehen aus diesen Definitionen bestimmte Schlussfolgerungen und legen entsprechend die zu verfolgenden Wege und Methoden fest. Spezialkrieg bedeutet, diese Wege und Methoden in eine Richtung zu lenken und sie als Strategie zu behandeln. Der Grund dafür, dass er nach dem Zweiten Weltkrieg in den Vordergrund trat, liegt darin, dass mit diesem Krieg in der bis dahin bestehenden Weltwirklichkeit verschiedene Faktoren entstanden. Welche Faktoren waren das?
1- Das Hervortreten der Vereinigten Staaten von Amerika als führende Kraft innerhalb des Systems der kapitalistischen Moderne. Zuvor war Großbritannien führend gewesen, und auch Frankreich hatte eine bestimmte Stellung. Staaten wie Deutschland und Japan wollten ebenfalls in den Vordergrund treten, doch nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg wurden sie besiegt, ihre Einflussbereiche wurden eingeengt, und sie erlitten große wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Zerstörungen.
Von den alten imperialistischen Staaten blieben Großbritannien und Frankreich im Zweiten Weltkrieg bestehen. Tatsächlich war auch Frankreichs Lage schlecht. Großbritannien blieb bestehen, doch auch seine Lage war schlecht. Schlecht im Vergleich womit? Im Vergleich zu Amerika. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Frankreich unter deutsche Kontrolle geraten; selbst seine Regierung war entsprechend dem deutschen Faschismus bestimmt worden. Zugleich erlebte es einen Bürgerkrieg; dies war die Wirklichkeit Frankreichs. Großbritannien wiederum hatte im Krieg schwere wirtschaftliche Zerstörungen erlitten. Beide blieben bestehen, aber unter diesen Bedingungen. Die Vereinigten Staaten von Amerika waren der imperialistische Staat, der am wenigsten zerstört und erschöpft worden war. Daher traten sie als führender Staat innerhalb des imperialistischen Systems hervor. Großbritannien machte ihnen den Weg frei, weil dies seinen Interessen entsprach. Dies führte dazu, dass die Neuordnung des internationalen Systems, insbesondere der Zweite Weltkrieg und seine Folgezeit, sich etwas von den vorherigen Perioden unterschieden. Ein weiterer Unterschied bestand darin: Die Oktoberrevolution hatte während des Ersten Weltkrieges stattgefunden und sich als eigenständige Kraft gegenüber dem kapitalistischen System ausgedrückt. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden jedoch neben der Sowjetunion zahlreiche Staaten. In den Ländern Osteuropas bildeten sich Volksdemokratien, im Fernen Osten entwickelten sich Revolutionen, und an verschiedenen Orten und in verschiedenen Regionen der Welt entstanden Kämpfe. Zusammen bildeten sie gegenüber dem kapitalistischen System eine andere systemische Struktur. Sowohl der Rollenwechsel innerhalb des kapitalistischen Systems als auch die Existenz sozialistischer Bewegungen, die ihm gegenüberstanden und sich selbst als System organisierten, machten die wichtigsten Gründe dafür sichtbar, dass der Spezialkrieg als Strategie in die Praxis umgesetzt wurde. Wenn wir vom Hintergrund des Spezialkrieges sprechen, müssen diese politische und militärische Dimension unbedingt gesehen werden. Innerhalb dieser militärischen und politischen Dimension liegt auch die Form, in der sich der Spezialkrieg verwirklicht, denn die Existenz der allgemeinen sozialistischen Bewegungen, die dem kapitalistischen System entgegenstehen, ist ein Ziel des Spezialkrieges. Welche Ziele sind das?
1- Die Existenz sozialistischer Länder. Auch sie ist ein Ziel des Spezialkrieges.
2- Es gibt sich entwickelnde Klassenbewegungen.
3- Es entwickelt sich eine starke demokratische Öffentlichkeit, die gegen den Krieg und für den Frieden eintritt.
4- In den Kolonien entwickeln sich nationale Befreiungskämpfe.
FORTSETZUNG FOLGT.
