HPG

Die Volkssicherheitskräfte Kurdistans

b- Die Verschwörung vom 15. Februar kann für die Völker in dauerhaften Frieden und Demokratie umgewandelt werden

Wenn wir die Verschwörung vom 15. Februar aus historischer Sicht interpretieren, treten wichtige Merkmale hervor:

1- Es zeigt sich, dass die Verschwörung im Allgemeinen entlang der Konfliktlinie zwischen Ost und West stattgefunden hat. Sie betrachten mich als einen Schwachpunkt, der Anatolien und die Türkei schwächt. Die griechische Politik hat mich als verwöhntes Kind und äußerster Vorposten des Westens stets in einer prinzipienlosen, nur Schaden anrichtenden Position sehen wollen. Umgekehrt hat sie, sobald sie erkannte, dass ihre Beziehung zu mir ihr schaden würde, nicht gezögert, mich ins Feuer zu werfen. Doch ihre Rolle in der jüngsten Verschwörung besteht im Wesentlichen in einer verräterischen Kollaboration, die sich die Freundschaft zunutze macht. Sie ist nicht selbst die Planerin und Ausführende, sondern eher eine Subunternehmerin. Es ist ganz offensichtlich, dass sie als Gegenleistung für diese Dienste künftig Zugeständnisse in der Zypern- und Ägäisfrage erwartete. Die späteren Entwicklungen haben dies überaus deutlich gemacht. Der Sondergesandte von Präsident Clinton, Blindken, erklärte gegenüber der Presse, dass Präsident Clinton persönlich den Befehl zu meiner Übergabe gegeben hatte. Dies mit einer Haltung gegen den Terrorismus zu erklären, wäre eine verengte Betrachtungsweise. Es steht fest, dass Israel dahintersteht. Die Verbindung zu dem Versprechen, das der extreme, kriegsbefürwortende Flügel der israelischen Rechten der Türkei gegeben hat, ist stark. Der damalige israelische Ministerpräsident war Benyamin Netanjahu, der Likud-Vorsitzende im rechten Block. Israel ist bei der Durchführung der Verschwörung der Hauptakteur, um die Türkei im strategischen Gleichgewicht des Nahen Ostens an seiner Seite zu halten; es steht jedoch nicht allein. Außerdem vermute ich keine Verbindung zu den linken Demokraten Israels, zur Linie von Schimon Peres. Man darf nicht vergessen, dass auch die Ermordung von Jitzchak Rabin mit der extremen Rechten zusammenhängt. Als die Vorbereitungen der Verschwörung intensiver wurden, wurde Clinton durch die Monica-Erpressung handlungsunfähig gemacht und war nicht mehr in der Lage, irgendeine Forderung der Israel-Lobby abzulehnen. Durch die Erpressung, die sowohl seine Frau Hillary als auch Monica in der Hand hatten, wurde es möglich, zahlreiche Entscheidungen des Präsidenten durchzusetzen. Hier entsteht eine vorübergehende Zusammenarbeit zwischen der israelischen und der griechischen Strategie in Bezug auf die Türkei. Clinton koordiniert dies. Die Grundlagen der Koordination wurden in London gelegt, und das Kalkül, mich zu isolieren und die Kurden und die PKK unter ihre Kontrolle zu bringen, ist sehr stark. Meine Führungsposition erschüttert die traditionelle westliche Politik gegenüber den Kurden. Auch der Kern des Geschehens beruht auf dieser Wirklichkeit. Europa hielt meine Ausschaltung deshalb für seinen Interessen entsprechend. Denn seine seit Langem betriebene Kurdenpolitik wird wiederum durch mich vereitelt. Ein allgemeineres Merkmal, das sie eint, ist, dass sie die östliche Kultur in meiner Person nicht zu verstehen vermochten.

2- Dieser Umstand bildete die psychologische und kulturelle Begründung für meine Übergabe. Dass die westliche Kultur keine Struktur besaß, die mich hätte in sich aufgehen lassen können, trug dazu bei, mich als eine auszugrenzende Persönlichkeit zu betrachten. Obwohl die materiellen wirtschaftlichen Interessen dabei bestimmend waren, lässt sich auch die kulturelle Grundlage nicht außer Acht lassen. Die Haltung des Westens, angeblich keinen zweiten Lenin oder einen weiteren Chomeini hervorbringen zu wollen, spielte dabei eine Rolle. Es zeigte sich eindeutig, dass sie jemandem keineswegs tolerant begegneten, der weder Kollaborateur noch Nachahmer ihrer Kultur war, sich nicht selbst erniedrigte und sie nicht als überlegen anerkannte. Sie hielten in diesem Fall an der Trennlinie zwischen zivilisiert und barbarisch fest. Es war offensichtlich, dass sie meine Persönlichkeit lange beobachtet hatten. Ich fand mich in einer Atmosphäre wieder, in der sie anscheinend längst beschlossen hatten, dass ich ihrer Mentalität widersprach. Diese Atmosphäre war eine bewusst geschaffene Situation.

3- Im Wesentlichen wurde an der Kurdenpolitik des europäischen Kapitalismus der letzten zweihundert Jahre festgehalten. Dieser Politik liegt zugrunde, die Kurden als Drohmittel einzusetzen, um vor allem die Türken sowie den Iran und die Araber von sich abhängig zu machen. Ich drängte in der kurdischen Frage auf eine endgültige Lösung, sei es durch Krieg oder durch Frieden. Sie hingegen machten es sich zum Grundsatz, diese Frage stets als Trumpf in der Hand zu behalten. Dass ihnen diese Waffe aus der Hand genommen würde, lag keineswegs in ihrem Interesse. Sie wollten nicht darauf verzichten, sie als eines der schmutzigsten Überbleibsel der traditionellen Kolonialpolitik zu behandeln. Eine strategisch gelöste kurdische Frage war für sie ein Thema, dessen Zeit noch nicht gekommen war. Ihre Haltung, die kurdische Karte in Reserve zu halten, bis sie ihre Rechnungen mit dem Iran, dem Irak und der Türkei vollständig beglichen hätten, war deutlich erkennbar. Dies entspricht genau der Haltung bestimmter Kreise in der Türkei, die ihre Interessen an das ungelöste Fortbestehen der Frage knüpfen; für die Kurden ist dies eine Politik des »Weder sterben noch leben«. Es ist ein grausames Vorgehen: sie gerade so weit zu unterstützen, dass sie nicht sterben, und sie so am Abgrund zu halten, dass sie nicht leben können. Hätten sie etwas Unterstützung gewährt, hätten auf einer richtigen Grundlage äußerst positive Bedingungen entstehen können. Hätten sie beispielsweise den Ansatz, den sie heute im Kosovo und in Mazedonien zeigen, auch gegenüber den Kurden beharrlich verfolgt, wären die Probleme längst auf den Weg einer Lösung gekommen. Ähnliches gilt für Israel und die Araber sowie für Russland und die Tschetschenen. Ihre Interessen liegen im langfristigen Fortbestehen der Probleme. Wenn es jedoch das Innere Europas oder seine unmittelbare Umgebung betrifft, können sie schnell und intensiv handeln und Lösungen entwickeln. Da meine Situation unter den damaligen Umständen eine solche Lösung nicht mit ihren Interessen vereinbar machte, erscheint ihnen mein Ausschluss als etwas Normales.

4- Bei meiner Übergabe ist die Ausschaltung der kurdischen Freiheitsbewegung und ihrer Führung ein deutliches Ziel. Durch diese Ausschaltung sollten die über Jahre mit kurdischen Kollaborateuren gepflegten Beziehungen wieder nutzbar gemacht werden. Angeblich sollte eine liberal-demokratische kurdische Führung geschaffen werden, und die kurdischen Kräfte, die jeder Staat für sich vorbereitet hatte, sollten im entstehenden Vakuum verschiedene Organisationen gründen. Dabei übernimmt Deutschland die Führung. Deutschfreundliche türkische, kurdische, arabische und iranische Gruppen zu schaffen, ist eine alte Nahostpolitik, die seit Enver Pascha wirksam gewesen ist. Während die irakischen Kurden darin zu alten Hasen geworden sind, wollte man in letzter Zeit auch in der Türkei weitergehende Schritte unternehmen. Unter dem Schutz ausländischer Mächte groß zu werden, ist zu einer Erwerbsweise geworden.

Dass die kurdische Freiheitsbewegung nicht ausgeschaltet wurde, wird dazu führen, dass sie erneut verstärkt auf ihre Ausschaltung und Zersplitterung hinarbeiten, oder sie werden sich auflösen und verschwinden. Außerdem werden sie versuchen, die sich entwickelnden Friedensbedingungen auszunutzen, so begrenzt diese auch sein mögen; dass die Freiheitsbewegung keine freie Zivilgesellschaft schaffen kann, wird diese Ausnutzungsversuche verstärken. Daher ist es von großer Bedeutung, sowohl auf reaktionäre Organisationen im Stil alter religiöser Orden als auch auf kollaborierende Scheingebilde der Zivilgesellschaft zu achten und ihnen keine Gelegenheit zu geben, das Volk zu täuschen.

5- Den İmralı-Prozess der Wiederbelebung des Friedens in den geschwisterlichen Kulturen Anatoliens und Mesopotamiens zu widmen, ist schwieriger als Krieg; seine Ergebnisse sind jedoch revolutionärer und produktiver. Ein Frieden, der auf der freien Nutzung kultureller Güter beruht, wird auch die angemessenste Antwort auf die Renaissance Anatoliens und Mesopotamiens sowie auf den revolutionären Kern der Republik Türkei sein. Unter Berücksichtigung des Grundsatzes, dass jeder Krieg seinen Frieden hat, sind Bemühungen um einen Frieden, der den Interessen der Völker am besten entspricht, äußerst notwendig und wichtig. Wer seinen Kriegen keinen Frieden bringen kann, entgeht nicht der Gefahr, von anderen Mächten benutzt zu werden, und zwar gegen die eigenen Interessen.

Den Frieden zu erforschen und ihn, wenn auch nur in begrenztem Umfang, zu entwickeln, bedeutet keineswegs, mit aussichtslosen oder leeren Unternehmungen Zeit zu verschwenden. Wer für seine Kriege keine realistischen Friedenswege entwickeln kann, entgeht am Ende nicht der Vereitelung seiner Bemühungen, selbst wenn er militärisch gewinnt. Eine falsche Berechnung in der Friedensfrage macht selbst die wichtigsten militärischen Errungenschaften bedeutungslos. Führende Persönlichkeiten, die ihrem Volk und ihren Soldaten gegenüber verantwortlich handeln, setzen sich zum Ziel, die Probleme des Friedens mindestens ebenso eingehend wie militärische Probleme zu untersuchen und realistische Lösungen zu finden. Führer und Kommandeure, die dies nicht vermögen, können der Niederlage nicht entgehen.

Wenn man betrachtet, von wem die Haltungen gegenüber den Friedensbemühungen im İmralı-Prozess ausgehen, wird sichtbar, dass diejenigen dabei eine Rolle spielen, die ständig Verderbtheit, Randständigkeit, Fraktionismus und Feindseligkeit zur Kunst machen. Denn ein sinnvoller und ernsthafter Frieden beseitigt das falsche Chaos, das weder der Gesellschaft dient noch den Einzelnen erhebt, verhindert rechtswidrige Zustände und setzt die legitime Erwerbs- und Lebensweise der Ordnung durch. Wer mit seinen Fähigkeiten und seiner Lebensweise dem nicht entspricht und sich nicht rechtzeitig wandelt, versteht den Frieden nicht und will ihn auch nicht. Diese Menschen kennen auch die Leiden und Schwierigkeiten des Krieges nicht. Dennoch muss der Ernst des Prozesses erkannt werden. Ob er zum vollständigen Erfolg führt oder nicht, dieser Prozess ist wichtig. Selbst ein Krieg, der danach entstehen könnte, wird sich vom früheren unterscheiden. Die längste Krise in der Geschichte der Republik Türkei, die sie gegenwärtig erlebt, ist eine Folge des vergangenen Krieges. Solange dies nicht richtig eingestanden und in einen gerechten Frieden verwandelt wird, verschwindet die Krise nicht. Denn man will ihre Ursache nicht richtig diagnostizieren. Dann wird auch die Behandlung nicht richtig sein. Die Türkei erlebt diesen Widerspruch in den 2000er-Jahren. Die Krise kann entweder durch einen neuen, noch blutigeren Krieg oder durch einen gerechten und ehrenvollen Frieden beseitigt werden. Andernfalls kann sie dem täglich erlebten gesellschaftlichen Albtraum nicht entkommen.

6- Der İmralı-Prozess ist für das kurdische Volk und institutionell für mich die Zeit einer dritten Geburt. Die erste Phase umfasst die Geburt aus dem Mutterleib unter den dem 20. Jahrhundert widersprechenden Bedingungen einer bäuerlichen Dorfgesellschaft sowie die Zeit bis zum Eintritt in die Gesellschaft nach dem offiziellen Modell. Diese Phase verging innerhalb der großen Bedeutungen und Unzulänglichkeiten eines Bruchprozesses, zwischen dessen beiden Seiten fünfzehntausend Jahre Geschichte lagen. Das Lebensgeflecht vor und nach diesen fünfzehntausend Jahren lässt sich nicht entschlüsseln. Diese Unlösbarkeit führte zum sozialen Kampf innerhalb der Familie und im Dorf. Ich war ein Dorfrebell. Diese Rebellion dauerte bis zum Übergang in die offizielle Gesellschaft an. Später kam zu diesem Prozess ein zweiter Schöpfungsprozess hinzu, der mit der Grundschule begann und über verschiedene Etappen bis zum Aufstand gegen die oligarchische Republik reichte. Diese Phase, die Don Quijotes Angriff auf eine Windmühle ähnelte, führte dazu, dass die Probleme sichtbar wurden und sich weiter verschärften. Zu den Widersprüchen der neolithischen und feudalen Gesellschaft kamen kapitalistische Merkmale hinzu. Da es keinen revolutionären Ansatz gab, herrschte eine Atmosphäre der Verwirrung. Die Rebellion, zu der man Zuflucht nahm, konnte nicht einmal das Reaktionäre in ihrem eigenen Inneren auflösen. Nachdem diese etwa zwanzig Jahre dauernde Aufstandsphase Auswirkungen auf regionaler und weltweiter Ebene hervorgebracht hatte, verwandelte sie sich infolge der Sackgassen, auf die sie stieß, in den İmralı-Prozess.

Die Bedingungen von İmralı bedeuten eine dritte Geburt, nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für die Republik und das Volk. Die zweite Geburt stand für das Geborenwerden und die Reinigung durch Gewalt und Krieg. Gemäß dem Gesetz von der Existenz und Einheit der Gegensätze, das für jedes Phänomen in Natur und Gesellschaft gilt, wird die auf Gewalt beruhende, hinreichend lange dauernde Phase der Gegnerschaft zur oligarchischen Republik der durch Demokratisierung zu verwirklichenden säkularen und demokratischen Republik weichen. Ebenso wie Entwicklung ohne Widersprüche nicht möglich ist, kann das ständige Ringen mit sinnlosen, ungelöst bleibenden Widersprüchen, statt Entwicklung zu ermöglichen, nur Verwüstung, Zerstörung und Krisen hervorbringen. Weil die Türkei ihre Widersprüche zu spät ausreichend verstanden und nicht rechtzeitig gelöst hat, ist sie auf natürliche Weise in einen Krisenprozess geraten und findet keinen Ausweg daraus.

Der Prozess zwingt alle Kräfte zu einer erneuten Geburt und Neugestaltung. Jeder Bereich, vom Staat bis zur Wirtschaft, von der Politik bis zum Recht, von der Moral bis zur Kunst, wird erschüttert, gerät in Bedrängnis und sucht mit der Krise nach einer Lösung. Mein İmralı-Prozess bedeutet auch, diese Wirklichkeit auszulösen. So wie der frühere Prozess als Phänomen »ich und der Krieg« Bedeutung erlangte, bedeutet dieser neue Prozess das Phänomen »ich und der Frieden«. Ein grundlegender Bestandteil meiner institutionellen Existenz ist das kurdische Freiheitsbewusstsein und der kurdische Freiheitswille. Dieses Bewusstsein und dieser Wille, die die Erfahrung des Krieges durchlaufen haben, durchlaufen nun den Friedensprozess. Während sich der Kriegsprozess als antifeudal und gegen die oligarchische Republik gerichtet formulierte, drückt sich der Friedensprozess darin aus, sich im Wesen und in der Form als »demokratische und säkulare Republik« zu erneuern. Wenn Trennung und Gewalt nicht erwünscht sind und vollständig aus dem System ausgeschlossen werden sollen, dürfen die Kurden nicht gewaltsam und durch Verleugnung aus dem Prozess der Staats- und Nationsbildung ausgeschlossen werden, den sie durch ihre Arbeit im Verlauf der Geschichte gemeinsam mit den Türken erlebt haben. Der Frieden setzt voraus, dass Politik und Recht den Kurden Raum geben, sich mit der Republik zu verbinden, indem sie ihre kulturelle Existenz frei nach ihren Wünschen leben. Eine auf der Verleugnung des freien kurdischen Willens beruhende Republik ist oligarchisch, und es ist unvermeidlich, dass sie Gewalt und Trennung hervorbringt. Für die freie Einheit, also den demokratischen Ausgleich, offen zu sein, bedeutet, in Frieden und Einheit zu leben. Dass dies nicht umgesetzt wird, liegt daran, dass der Kampf zwischen der oligarchischen und der demokratischen Republik noch nicht entschieden ist. In dieser Hinsicht kennzeichnet der İmralı-Prozess symbolisch eine historische Phase. Dieser Prozess wird entweder Frieden hervorbringen; oder, wenn dies nicht gelingt und die Verleugnungs- und Vernichtungspolitik der oligarchischen Republik weitergeht, wird ihm ein Prozess folgen, in dem sich die Spaltung zusammen mit intensiverer und umfassenderer Gewalt vertieft.

Diese grundlegende Wirklichkeit liegt der Krise zugrunde, die die Türkei erstmals in ihrer Geschichte in solcher Tiefe erlebt. Dass die Politik als lösender Bereich in Gestalt von Parlament und Regierung das Thema nicht realistisch bewertet, nicht rechtzeitig aufgreift und ihre Pflicht nicht erfüllt, die Probleme verdeckt und sie dem Verfall und der Unlösbarkeit überlässt, zeigt, dass die Politik die Quelle der Krise ist, wie auch in der Presse ausführlich behandelt wird. Die Politik glaubt, Ergebnisse zu erzielen, indem sie das Todesurteil wie ein Damoklesschwert über mir schwingt, und begeht hier ihren größten Fehler. Dieser Ansatz verurteilt die Türkei zu einem von außen und innen aufgezwungenen System, das im Kern auf einer Bande von Rentenabschöpfung und Korruption beruht, und damit zur Krise; er verursacht jedes Jahr, ja jeden Monat materielle Verluste von Milliarden Dollar und stürzt dieses Land auch seelisch in tiefes Leid und schwere Bedrängnis. Wenn die Gesamtbilanz des fünfzehnjährigen Krieges vierzigtausend Tote und materielle Verluste von Hunderten Milliarden umfasst, muss dieses Phänomen unter allen historischen, gesellschaftlichen und internationalen Bedingungen betrachtet werden, um zu einer richtigen Bestimmung und Lösung zu gelangen. Solange dies nicht geschieht, ist eine weitere, mehrdimensionale Verschärfung der Krise unvermeidlich.

Mein İmralı-Prozess als Person und als Institution der Führung verlangt, das Problem in diesem Rahmen zu bewerten. Wenn dies aufgrund utilitaristischer Denkweisen und einer Mentalität billiger Instrumentalisierung nicht zustande kommt, erzwingen die entwickelten Ansätze der Verleugnung, Verleumdung und Vernichtung, ob aus offiziellen Staatskreisen oder aus kollaborierenden kurdischen Kreisen, eine Kriegsphase, die wiederum in eine Sackgasse führt. Während man äußerst sensibel und verständnisvoll vorgeht, um diesem Spiel nicht zu verfallen, und im Wissen, dass eine auf meiner materiellen und geistigen Vernichtung in İmralı beruhende Entwicklung die Vernichtung aller türkischen und kurdischen Kräfte des freien Willens bedeuten würde, ist es eine der grundlegendsten Voraussetzungen für den Erfolg dieses Prozesses, sämtliche strategischen und taktischen Vorbereitungen für den Krieg der legitimen Verteidigung solide durchzuführen, als würde der Krieg morgen beginnen, damit der Freiheitskampf zugunsten unserer Völker endet. Dies ist die historische Bedeutung von İmralı für den Staat, die Gesellschaft, unser Volk, die PKK und mich.

7- Die Verschwörung vom 15. Februar hat auch aus der Sicht Europas, der USA und der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) eine Bedeutung, die richtig bestimmt werden muss. Meine gegen den kurdischen Freiheitswillen gerichtete, eindeutig rechtswidrige und gegen die EMRK verstoßende Festnahme und Inhaftierung machen eher die Institutionen der USA und der EU als die Republik Türkei sowohl rechtlich als auch politisch verantwortlich. Denn wie ich in meiner Verteidigung umfassend erläutert habe, haben die betreffenden Mächte und Institutionen diese Situation infolge einer rechtswidrigen Haltung geschaffen, die auf einem kolonialistischen politischen Verständnis beruht und die Europäische Menschenrechtskonvention verletzt. Daher hat es beim Gang zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) höchste Priorität, im Verfahren nicht nur den Verstoß der Republik Türkei gegen die EMRK zu berücksichtigen, sondern vor allem die Verantwortlichkeit der EU und der USA für ihre rechts- und sittenwidrigen Handlungen gegen den kurdischen Freiheitswillen in meiner Person.

In drei wichtigen Hauptstädten Europas wurden Nägel in das Kreuz geschlagen, an das ich geschlagen werden sollte, oder in die sargähnliche Zelle, in die ich gesteckt werden sollte (ein kurdisches Wort: mit vier Nägeln festgenagelt werden). Dann wurde ich durch ein raffiniertes kapitalistisches Spiel aus den Händen afrikanischer Kannibalen in das türkische Flugzeug geworfen.

Der erste Ort, an dem ich ans Kreuz geschlagen wurde, ist die Hauptstadt Athen. Mit einer reaktionären Kultur und einem feigen Geist, die entweder aus ihrer Verwirrung oder ihrer blinden Rachsucht schöpften, wollte Athen sich für den Verlust seiner dreitausendjährigen Herrschaft über Anatolien rächen; es erwartete von mir einen billigen und prinzipienlosen Sieg über das anatolische Türkentum. Als es begriff, dass dies kaum möglich war, handelte es, als sei es mein Besitzer, und zeigte die historisch beispiellose Niedertracht des Verrats, mich im Austausch gegen gewisse Zugeständnisse in Zypern und der Ägäis wie ein Geschenkpaket oder ein Opferschaf der türkischen Regierung anzubieten, sowie eine Ehrlosigkeit, die im Buch der Freundschaft keinerlei Platz hat; als EU-Mitglied beging es ein Rechtsvergehen gegen die EMRK. Ohne dass irgendeine Gegenentschuldigung vorgebracht werden müsste, sind seine große Unmoral in diesem Fall und seine Schuld vor dem Recht eindeutig. Nötigenfalls lässt sich dies mit zahlreichen Zeugen und Aussagen belegen.

Der griechische Schriftsteller Kazantzakis hat den Roman »Die Wiederkreuzigung Christi« längst geschrieben. Doch meine Lage ist nicht individuell. Der Akt der Kreuzigung wurde auch an Millionen Kurden mit freiem Willen vollzogen, die ihrer Führung bis zum Tod verbunden sind. Die Griechen mögen sich seit dem Gott Zeus für sehr listig halten. Seine Tochter, die Göttin Athene, die Zeus aus seiner Stirn schuf, kann durch Täuschung, indem sie die Gestalt von Deiphobos, dem Bruder des trojanischen Hektor, annimmt, Hektor ins Feuer des Krieges werfen und ausschalten. So kann sie das Tor Anatoliens öffnen. Diese Wirklichkeit kommt in der Mythologie vor. Doch ich wurde in diese Falle gelockt, während ich im 20. Jahrhundert lebte, ein Jahr vor 2000. Hätten sie mich selbst getötet, selbst durch eine als Unfall getarnte Verschwörung, hätte ich mir keinen Kummer gemacht. Es wäre ihrer Kultur entsprechend geschehen und vorbei gewesen. Doch wie können sie es wagen, mich als verpacktes Geschenk, eine Handlung, die in keinem Buch der Menschlichkeit und keinem moralischen Grundsatz Platz hat, inmitten des Leids von fast dreißigtausend Märtyrern und der Tränen ihrer Mütter, im kritischsten Augenblick, als ich keineswegs vorbereitet war und sie noch etwas von mir erhofften, türkischen Spezialkriegsteams zu übergeben? Angeblich stand US-Präsident Clinton hinter ihnen; er hatte es befohlen. (Sein Sonderberater Blindken erklärte dies offiziell gegenüber der Presse.) Die griechische Regierung setzte es um, indem sie mit der Freundschaft spielte.

Clinton stand damals im Würgegriff der Untersuchung des Monica-Skandals durch den Senat. Seine Frau Hillary und seine Geliebte Monica sind zwei Agentinnen jüdischer Herkunft, die beide lange zuvor vorbereitet und ins Weiße Haus eingeschleust wurden. Die Juden sagen, Gott habe ihnen diese Kunst gegeben. Während, wie im Abschnitt über die Hebräer in der Tora beschrieben, die Prostituierte Rahab als erste Agentin lobend erwähnt wird, ist Clinton der letzte anmaßende Vertreter der Cowboykultur des weißen Mannes, der die amerikanischen Ureinwohner jagt. Die von MOSSAD zur Bedingung gemachte Entscheidung, mich zu übergeben, umzusetzen, nur damit er billig aus dem Monica-Skandal herauskam, konnte nicht die Aufgabe der griechischen Regierung sein. Für die Unterstützung des großen US-Präsidenten wurde alles getan. Sonst hätte man die Unmoral und Rechtswidrigkeit dieser Verschwörung nicht auf andere Weise riskieren können.

Israel konnte nicht das Recht haben, mich zu opfern, um über die Türkei ein strategisches Gleichgewicht herzustellen. Selbst unser gemeinsamer Stammvater, der Prophet Abraham, ist der Prophet, der als Erster das Menschenopfer aus der Religion abschaffte. Aus Achtung vor seinem Andenken und seiner Religion hätte MOSSAD diese Opferhandlung nicht begehen dürfen. Für das Streben nach Überlegenheit muss es eine moralische Grenze geben. Wenigstens die griechische Regierung hätte sich nicht zum Werkzeug dieses schmutzigen Spiels machen dürfen. Sie hätten sich nicht untereinander auf solche raffinierten Spiele um die Türkei verständigen und einen Kurden wie mich als lebende Atombombe benutzen dürfen, obwohl sie überhaupt nicht glaubten, dass er intelligent sein könnte. Sie hätten damit rechnen müssen, dass auch ein Kurde eines Tages zur Besinnung kommen und seine Rache organisieren könnte. Selbst wenn die Wahrscheinlichkeit nur eins zu tausend betrug, hätte auch diese Möglichkeit berücksichtigt werden müssen. Dieses Verbrechen, das im Zentrum des orthodoxen Christentums den Geist Jesu Christi in jeder Hinsicht erneut ans Kreuz schlägt, hätte nicht so billig begangen werden dürfen. Sie hätten nicht zu einer zeitgenössischen Variante des Judas Iskariot werden dürfen. Schlimmer noch, diese schwere Unmoral und Schuld hätten nicht durch betrügerische Erklärungen vertuscht werden dürfen. Ich werde dies nicht zu sehr ausführen. Die historische und menschliche Bedeutung des in Athen vorbereiteten Kreuzes oder des ersten Nagels in meinem Sarg liegt in diesem Rahmen. Wenn ehrliches Handeln die Grundlage sein soll, müssen sowohl die politischen als auch die rechtlichen Aspekte eindeutig berücksichtigt werden.

Der zweite Nagel wurde in Moskau eingeschlagen. Darüber war ich weder überrascht noch verärgert. Auch Beschwerden halte ich nicht für besonders sinnvoll. Ich hielt es nicht für wahrscheinlich, dass die Russen und ihre Regierung, die selbst ihren edelsten Werten auf die niederträchtigste Weise gleichgültig gegenüberstehen, irgendeine menschliche oder moralische Sorge hegten. Die Russen haben in dieser Zeit reichlich bewiesen, dass es keinen Wert gibt, den sie nicht für Geld opfern würden. Als Mitglied des Europarats ist Russland an die Europäische Menschenrechtskonvention gebunden. Deshalb ist es rechtswidrig, mein von der Duma, dem Parlament, mit 298 gegen eine Stimme angenommenes politisches Asylgesuch zu ignorieren und mich gewaltsam aus Russland auszuweisen. Dies betrifft auch die EU und den EGMR.

Der dritte Nagel, der in Rom, der heiligen Hauptstadt Europas, eingeschlagen wurde, wurde vor den Augen des Papstes eingeschlagen. Obwohl auch der große Mensch, der heilige Paulus, anfangs der erste in Rom getötete Christ war, hätte mir kein Prozess aufgezwungen werden dürfen, der schlimmer als der Tod war. Europa und Rom beanspruchen, die zeitgenössische Zivilisation zu vertreten. Ein Jahr vor 2000 hätte Rom nicht ein zweites Mal versuchen dürfen, was dem heiligen Paulus angetan wurde. Genau wie er kam auch ich aus Damaskus. Ich wollte einige Wahrheiten über die Zivilisation darlegen, so gut ich sie in Worte fassen konnte. Warum waren sie so unwillig geworden, sie anzunehmen? Sechsundsechzig Tage lang behandelten sie mich grausam, als hielten sie mich in einem eisernen Käfig, und stellten überall um mich herum Polizisten wie aus Stahl auf. Ich wollte auch die Existenz und die Freiheitsforderungen eines der ältesten Völker der Geschichte zur Sprache bringen, dessen Name noch nicht einmal anerkannt war und dem keinerlei Menschenrecht zugestanden wurde. Nach den politischen und rechtlichen Werten Europas ist dies eindeutig ein Recht und eine demokratische Forderung. Diesem Recht wurde keinerlei Achtung entgegengebracht. Alles wurde getan, um mich zur Flucht zu treiben. Sämtliche psychologischen Funktionen der Kreuzigung wurden erfüllt, und ich wurde abgeschickt. Der EGMR muss sich mit dieser Seite der Wirklichkeit befassen, Rechenschaft darüber verlangen, warum in der Hauptstadt Rom, die der EU Form und Geist gegeben hat, eine solche Lage entstand, und die erforderlichen Konsequenzen ins Auge fassen.

Meine Entführung in die Hauptstadt Kenias erfolgte ganz und gar durch den gemeinsamen Willen Europas und der USA. Die niederträchtigste Rolle ließen sie ihr verwöhntes Kind, die griechische Regierung, spielen. Die Geschichte ist lang. Ich habe sie teilweise erwähnt. Nötigenfalls werde ich dem EGMR auch mündlich ausführlich und mit Belegen die Wahrheit über diese Entführung und die Übergabe in den Botschaften in Kenia darlegen. Dass sie die Aufgabe des Erhängens und des Tragens des Pakets, der sargähnlichen Zelle oder des Kreuzes durch die Hände der kenianischen Kannibalen Afrikas ausführen ließen, die sie so gut abgerichtet haben, ist eine der schmutzigsten Handlungen der Verschwörung. Angeblich war Europa danach makellos sauber, und Kenia beging das Verbrechen! Offenkundig hat Europa beträchtliche Erfahrung darin gewonnen, Völker durch andere niedermetzeln zu lassen. Auch hier ließ es die bloße Rolle eines politischen Henkers spielen. Da sie die öffentliche Meinung und die Gesetze fürchteten, setzten sie auch aus diesem Grund diese Taktik ein. Also gibt es in Europa niemals schmutzige Geschäfte; wenn überhaupt, dann unter Kannibalen!

Die Rolle der USA in Kenia ist eindeutig. Der US-Präsident hat sich ohnehin zu seiner eigenen Rolle, nämlich dem Befehl zur Übergabe, bekannt. Meiner Ansicht nach steht fest, dass der griechische Geheimdienst und die CIA diese Intrige nicht aus Liebe zur Türkei betrieben haben. Ich bezweifle nicht, dass sie meinen Tod durch die Hand der Türken als strategisches Ziel angenommen haben. Ich glaube, dass auch die Briten diesen Ansatz verfolgten. Meiner Meinung nach haben zum Teil mein Verzicht darauf, wie ein grobschlächtiger Widerstandskämpfer Türkenfeindlichkeit zu betreiben, und zum Teil das vorsichtige Vorgehen des türkischen Generalstabs verhindert, dass die von diesem Spiel erwartete Bombe explodierte, und zwar in einer Weise, die über meine Person Zehntausende das Leben hätte kosten können. Es wurde verhindert, dass das 21. Jahrhundert zu einem Jahrhundert kurdisch-türkischer Konflikte wurde. Doch es ist klar, dass dieses unter der Maske der Freundschaft gegen beide Seiten, sowohl die Türken als auch die Kurden, gespielte Spiel die niederträchtigste und ehrloseste Verschwörung ist, die in der Geschichte ihresgleichen sucht und selbst schlimmer als byzantinische Intrigen ist. Ich bin überzeugt, dass sowohl Türken als auch Kurden diese Seite der Verschwörung unbedingt sehen müssen.

Israel spielte bei meiner weltweiten Isolation und Übergabe eine entscheidende Rolle. Mein Auftreten im Nahen Osten und die Entwicklung einer neuen Linie in der kurdischen Bewegung betrachtete es strategisch als Konkurrenz und Gefahr für sich selbst. Wenn von der kurdischen Bewegung die Rede ist, legt Israel traditionell die kollaborierenden irakisch-kurdischen Kräfte zugrunde und versucht, durch vielseitige Beziehungen über sie alle Kurden in ein strategisches Netz einzubinden. Dass ich dieses Netz zerriss und recht unabhängig handelte, zudem die Handlungsspielräume der Kollaborateure ständig einengte und lange im arabischen Raum blieb, führte dazu, dass sie eine weltweite Strategie gegen mich entwickelten. Ich glaube, dass ich für Israel eine weitaus unerwünschtere Lage darstelle als Arafat. Diese Faktoren spielten eine grundlegende Rolle dabei, dass es mit der Türkei ein strategisches Bündnis in Bezug auf mich einging. Obwohl ich nicht bezweifle, dass diese Strategie der israelischen Rechten gehört, ist nicht klar geworden, inwieweit sie von der das linke Lager vertretenden Linie Schimon Peres' übernommen wurde oder nicht.

Israel ging bereits vor dem 9. Oktober 1998 gegen mich vor. Es wusste von dem Bombenanschlag vom 6. Mai 1996 und unterstützte ihn. In welchem Umfang Griechenland als Subunternehmer eingesetzt wurde, ist ein untersuchenswertes Thema. Dass Ministerpräsident Primakow mich aus Moskau vertrieb, hängt eindeutig mit Israel und der jüdischen Lobby zusammen. Ich erinnere mich, dass beim letzten Mal Ariel Scharon persönlich kam. Auch Israel setzte Italien über die USA unter Druck. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Macht hinter der Haltung, mich in London und Europa zum unerwünschten Mann zu erklären, ebenfalls MOSSAD war. Auch die jüdische Realität zwang die USA, den gegen mich gerichteten Übergabebefehl zu erteilen. Ich vergleiche diese Haltung Israels stets mit dem, was sie Mose im Exodus antaten, vielleicht sogar mit seiner Tötung. Ich wünsche mir stets, dass auch das jüdische Volk in einem demokratischen Nahen Osten seinen Platz hat. Ebenso habe ich Bewunderung und Achtung für die jüdische Kraft in Wissenschaft, Kunst und Philosophie empfunden. Mit jedem Tag werden sie besser verstehen, dass sie sich durch das, was sie gegen mich getan haben, selbst großen Schaden zugefügt haben. Je mehr die Kurden diese Seite der Wirklichkeit erkennen, desto wacher werden sie werden, ihre Kraft zurückgewinnen und beweisen, dass sie Gerechtigkeit verwirklichen können.

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